Tintenfische

Vor diesem Beitrag habe ich mich etwas gedrückt, denn erstens musste ich mich zwischen den Videos entscheiden, die zuschneiden und verkleinern, dann waren es doch mehr als die hier erlaubten 20 MB und ich konnte wieder herumbasteln…
Zudem braucht man beinahe schon ein Biologiestudium, um sich mit diesen Tieren auszukennen.

Ein sogenannter Kokosnuss-Oktopus, der sich in seiner gläsernen Wohnung hier ganz wohlgefühlt hat. Ein-, zweimal hat er einen Arm herausgeringelt, aber ansonsten blieb er lieber in Deckung.

Nachdem ich Wikipedia (danke, danke, danke, ich spende dann auch wieder mal!) wiederholt bemüht habe, sehe ich mich jetzt imstande, das halbwegs aufzudröseln, was wir beim Tauchen immer lapidar als Sepie/ cuttlefish oder Tintenfisch/ octopus bezeichnen.

Meine laienhafte Erklärung wäre bisher gewesen:
Die einen haben einen großen Körper, große Augen, kurze Arme und “flunseln” mit ihrem Flossenrand so waagrecht beim Schwimmen vor sich hin. Das sind die vor kurzem beschriebenen und per Video vorgestellten Sepien, kann man hier mit dem Link nochmal nachschauen.
Die anderen dagegen haben im Verhältnis zum Körper eher lange Arme, und zwar acht, Augen sieht man nicht, und die “zucken” so beim Schwimmen. Die hätte ich dann auf Deutsch als Tintenfische bezeichnet.

Dieses hier im Foto etwas unscheinbare, grün gestreifte Tier trägt den schönen Namen “Wunderpus”, und das völlig zurecht, wir wir später im Video sehen werden. Zählt mal die Arme…

Laut Wikipedia sind aber beides zur Großgruppe der Kopffüßer gehörige Tintenfische, diese teilen sich auf in die zehnarmigen – darunter unter anderem die Sepien – und die achtarmigen Tintenfische. Wenn man die noch ein paarmal unterteilt – aber wollen wir das wirklich so genau wissen?! – kommt man zum Oktopus als größte Gruppe innerhalb der Familie der Echten Kraken.
Fun fact: in der Fachsprache ist es übrigens der Krake.

Dieses niedliche Kerlchen ist der Blauring-Oktopus, keine 10 Zentimeter groß, aber todbringend, wenn er einen beißt. Er hat ein schnell lähmendes Nervengift in seinem Speichel, das zu Atemstillstand und Herzkammerflimmern führt und gegen das es kein Antidot gibt.

Den Oktopus-Tauchgang mit Saimon hatten wir uns extra gewünscht. Leider konnte Jonas da schon nicht mehr mit, und so sind wir Drei mit Saimon an einem kiesig-sandigen Abhang in maximal 12 Metern Tiefe ungefähr eine Stunde lang auf Hände und Riffhaken gestützt herumgekrabbelt. Man muss dazu wissen, dass die Oktopusse Räuber sind, die sich gerne im Geröll eingraben, wenn sie jagen. Dann schauen nur die Augen heraus, und ein geübter Taucher (mit Top-Sehkraft!) kann die daran erkennen.

Seit unserem ersten Tauchkurs “kennen” wir den Blauring-Oktopus als sagenumwobenen Meeresbodenbewohner. Eine damals mit uns tauchende Italienerin, die viel fotografiert hat, meinte, sie hätte ja schon fast alles gesehen, aber der würde ihr noch fehlen, der sei so unglaublich selten.

Die Anweisung lautete: sich flach ganz nah und sachte über dem Boden zu bewegen, immer hinter dem Guide zu bleiben, damit kein Schatten die Oktopusse warnen würde, keinen Sand aufzuwirbeln mit den Flossen, möglichst nicht zu schwimmen, sondern, ja, irgendwie zu kriechen.
Ein Fehler und – zack! würden die komplett in Deckung gehen.


So ein Tauchgang kann nur Top oder Flop sein.
In unserem Fall war es einer der interessantesten Tauchgänge jemals, denn wir haben vier verschiedene Oktopusse gesehen.
Saimon hatte den Blauring zunächst sogar bei der Paarung erspäht, aber bis wir alle versammelt waren, war einer schon entwischt! Vom Wunderpus haben wir zwei gesehen, und zum schon erwähnten Kokosnuss-Oktopus kam noch ein sogenannter Algae Oktopus, der wie ein unscheinbares, zotteliges Hündchen ausgesehen hat. Die Footage war in diesem Fall aber leider nicht gut genug.
Die komischen zusätzlichen Geräusche kommen übrigens von Bootsmotoren etwa 7 bis 10 Meter über uns.

Jetzt weiß man auch, woher der Name Wunderpus kommt, nicht wahr? Beide Oktopusse grandios in ihrem Farbspiel, auch der Blauring, der die Intensität seiner Farbe je nach Stimmung verändern kann!

Mit Lukas zu tauchen bedeutet, dass man ihm im wahrsten Sinn des Wortes ständig auf die Finger schauen muss. Er will immer alles anfassen, das mag bei einer Schildkröte zwar nicht unbedingt OK sein, aber wenigstens auch nicht gefährlich.
Als er jedoch seine Hand immer näher an das ach so putzige Ringeloktopuslein hingeschoben hat, haben wir alle wie wild Grunzlaute ausgestossen – versuch dich mal mit dem Atemgerät im Mund zu artikulieren – bewegen konnten wir uns ja nicht. Das ist ihm dann zum Glück aufgefallen und meine waagrechten Schneidebewegungen über meine Kehle hat er dann anscheinend doch richtig interpretiert.
Ja, woher sollte man so was denn auch wissen….?

Seine völlig unverkrampfte Begegnung mit der Gelblippen-Seeschlange, die ebenfalls Neurotoxine beim Beißen abgibt, war bei einem früheren Tauchgang. Mannmannmann.