Tee

Heute hatte es in Shanghai den ganzen Tag unter Null.
Aktuell -6 Grad.
Ein perfekter Tag zum Teetrinken, oder nicht?

Mit Helga und Xu Laoshi war ich ja neulich schon am Teemarkt, weil ich mir ein Teebrett kaufen möchte, also so ein Holz- oder Steintablett mit Wasserauffangschale oder Ablauf, um richtig auf chinesische Art Tee zu trinken. Das war am 30. Dezember als der riesige Temperatursturz kam, es war auch drinnen furchtbar kalt und wir haben dermaßen gefroren. Nicht einmal die Teeprobe konnte uns richtig aufwärmen.

Da ich mit dem dortigen Angebot nicht so besonders glücklich war, ist mir der Laden im Tianzifang wieder eingefallen, in dem ich eigentlich mit allen Besuchern schon beim Tee Probieren war. Dort waren sie nie aufdringlich, man kann schönes Zubehör kaufen und außerdem gibt es dort Jonas’ Lieblingstee, den ich wieder nachkaufen muss.

Trotz Mütze, Handschuhe, dicker Winterjacken und Leggings unter der Jeans – bei der heutigen Kälte und dem schneidenden Wind waren wir nach den paar Metern von der U-Bahn über die Straße und hinein in die Gässchen des Tianzifang schon völlig durchgefroren.
Die Idee zuerst Mittagessen zu gehen haben wir ziemlich schnell aufgegeben und dachten, wir kaufen einfach den Tee und fahren danach noch woanders hin wo es wärmer und gemütlicher ist.

Mit diesem netten Herrn hier haben wir daraufhin die nächsten zwei Stunden oder auch mehr verbracht. Zum Glück im oberen Stock, in dem es verhältnismäßig warm war – wie alle Läden im Tianzifang hatten auch sie wie zu besten Sommerzeiten die Türen zur Gasse hin auf, damit die Kundschaft sich auch hineintraut.
Welche Kundschaft?
Wir waren auf weiter Flur die einzigen Besucher des Viertels und im Teeladen in der ganzen Zeit die einzigen Kunden.

Wir haben angefangen mit unserem “Haustee”, einem Fuding Bai Cha (Weißer Fuding Tee), den wir über Xu Laoshi immer als rund gepressten Teekuchen kaufen.
Das Bild oben zeigt wie es aussieht, wenn man davon Stücke für den Aufguss abbröckelt: wie altes Herbstlaub. Der wird nach Jahrgang verkauft, je älter desto teurer, wir haben meistens einen 2013er, je nachdem was gerade so erhältlich ist.

Von rechts nach links (aus Sicht des Teemeisters) haben wir durchprobiert::
Der Fuding Bai Cha, den Jasmintee der die Spezialität ihrer Teeplantage ist. Nummer Drei der erste Grüne Tee, den ich wirklich mochte; ich hatte schon oft den hier sehr beliebten Long Jing aus Hangzhou getrunken, aber der hier hat mich überzeugt und ich habe ihn dann auch gekauft.
Danach ein grüner Wulong, den Namen weiß ich nicht mehr genau, sehr sehr gut. Anschließend ein Ma Rou Gui, ein Wulong an der Grenze zwischen grün und fermentiert wie uns erklärt wurde.
Den “musste” ich auch kaufen.
Als nächster kommt ein typischer Pu’Er aus Yunnan, die schmecken gern mal ein bisschen erdig, der hier war gut, aber ich wollte mich einfach etwas zusammenreißen… Der letzte auf dem Bild hieß übersetzt Roter Jadetau, der war auch fantastisch. Gar nicht im Bild, weil wahrscheinlich noch im Teegefäß: ein Fujian Silver Needle, den mochte ich auch.

Das Schöne war, dass er richtig Spaß hatte, sich immer noch was Neues ausgedacht hatte, was uns schmecken könnte und wir uns richtig nett und unverkrampft unterhalten konnten. Ich habe auch wieder viel dazugelernt und schön langsam habe ich das Gefühl auf den Dreh zu kommen.

Teegeschirr und -brett habe ich noch nicht gekauft heute, weil ich das gerne mit Martin zusammen aussuchen würde.
Der übrigens mit einem Geschenk einer sehr netten Kollegin heimkam, für uns…

Teetassen, die mit literarischen Zitaten geschmückt sind, die unsere chinesischen Namen auf passende Weise miteinbeziehen – ich schätze die Gedanken die sich Feng Zhen dazu gemacht hat sehr.
Zu groß für mein Teebrett, eher Becher für den Tee zum Frühstück, das heißt also, ich “muss” mir tatsächlich noch so ein kleines Set mit allem Zubehör kaufen… 😉