Jiading

Ein paar Tage vor dem Besuch im Gu Yi Garten mit Monja waren Martin und ich am Karfreitag noch etwas weiter nördlich im Stadtteil Jiading auch zu einer Gartenbesichtigung gewesen.
Dort gibt es nämlich einen Glyziniengarten, den man uns empfohlen hatte, und unserer Schätzung nach war es in etwa der richtige Zeitpunkt für die Blüte. Im Internet findet man nicht sonderlich viel Information dazu, nur dass der Park vor 10 Jahren eröffnet wurde und an die 100 Pflanzen in etwa dreißig verschiedenen Variationen habe.

In Coronazeiten braucht es für all solche Unternehmungen besondere Vorbereitungen! Martins Sekretärin hatte für uns wie schon für den Kirschblütenpark die Tickets über ihr Handy gebucht, da man wieder einmal eine Chinese ID gebraucht hat. Diesmal musste man vorab auch ein Foto des Passes und des grünen Health Codes einschicken, um den Eintrittscode für den Slot zwischen 10 und 11 Uhr zu bekommen.

Hatten wir also alles, kurz vor 10 Uhr waren wir da und haben unseren Health Code hergezeigt, um uns in die Schlange stellen zu dürfen.
Beim Anstehen lief ein Aufpasser an der Schlange entlang, um den Eintrittscode zu kontrollieren, der sagte dann nur, das sei ja ein Foto und würde nicht gelten, den Frauen vor uns, die auch so einen Code hatten, sagte er, sie dürften nicht vor 10 Uhr draufdrücken…

Der spezielle Checkpoint im Glyzinienpark für Leute wie uns. an dem man nur alle seine Angaben und Temperatur eintragen sowie den grünen Code und das Foto vom Eintrittscode herzeigen musste…

Aus diesen Infos habe ich dann kapiert, dass man auf dem Handy nach der Buchung einen aktiven Code, also eine Art Miniprogramm bekommt, das man zum gegebenen Zeitpunkt aktivieren musste. Na, bravo, die beiden Programme für uns hatte dann Jessie auf dem Handy, denn die hatte ja gebucht…
Während wir immer weiter zum mittlerweile dritten Kontrollpunkt vorgerückt sind, hat Martin erst vergeblich versucht Jessie zu erreichen, damit sie die Codes aktiviert und uns einen Beweis schickt. Währenddessen ich dem nächsten Aufpasser den Sachverhalt erklärt habe. Der war zum Glück mental sehr flexibel, hat das Foto vom Eintrittscode geprüft und fragte nur noch, ob wir unseren Pass dabei hätten (haben wir seit Corona immer, früher nie!), bevor er uns an allen vorbei zur Mutter aller Checkpoints lotste.

Die ganze Eintrittsprozedur hat gefühlt fast genauso lang gedauert wie die Besichtigung des 11.000 m² großen Geländes, von dem auch noch einiges abgesperrt war. Insgesamt war es recht ernüchternd, obwohl wir an sich alles bekommen haben, was wir “eingekauft” hatten: viele verschiedene Glyzinien in verschiedenen Stadien der Blüte, ein angenehmer Duft und Gelegenheit zu fotografieren, die Martin wahrgenommen hat.

Ich habe beim Anblick dieser tristen Pflasterwege und der sehr überschaubaren “Größe” des Geländes sofort “Plan B” in die Tat umgesetzt: Besuch des nächsten Parks! Eines “richtigen”, alten Parks mit klassischer Anlage. Die Stunde Autofahrt nach Jiading sollte sich ja lohnen!

Irgendwie hatte ich wohl von Vornherein schon einen “Riecher”, denn am Vorabend hatte ich noch im Shanghai-Führer gelesen und gesehen, dass es in Jiading noch andere Gärten gibt, und nur zur Sicherheit lag der Führer im Auto…

Kurze Message also an Jessie, die die Modalitäten klären sollte – man musste sich “nur” eintragen wie schon Oben beschrieben, sonst nichts – und eine Nachricht an unseren Xu, dass wir als Nächstes zum Qiu Xia Pu hinfahren wollten.

Gesagt, getan.
Und so sind wir im ältesten der Fünf Klassischen Gärten Shanghais gelandet, dem “Garten des Herbstlich Schimmernden Abendlichts” von 1502, der in seinen Ursprüngen auf die Privatresidenz eines Ministers in der Ming-Dynastie zurückgeht. Ein späterer Besitzer hat ihn Jiadings Stadtgott gewidmet und so beginnt ein Spaziergang im Garten direkt am Taoistischen Tempel.

Bemerkenswert fand ich, dass hier alle 18 Steinwächter, die die einzelnen Aufgänge zum Tempel flankieren, völlig verschieden gestaltet sind, so etwas habe ich noch nie vorher gesehen.
Wie üblich sind sie paarweise gruppiert, das Männchen mit der Weltkugel, das Weibchen mit einem Jungtier.

So muss ein Garten ausschauen!
Mit Steinen, Wasser, es gab sogar einen “Berg”, in dessen Pavillon wir Brotzeit gemacht haben, mit einer Grotte unten drunter, mit verwinkelten Wegen, auf denen wir es geschafft haben uns zu verlaufen, mit interessanten Ausblicken und schönen Strukturen…!

Morgen geht es übrigens in die entgegengesetzte Richtung, in den Süden nach Songjiang zum “Teich des Betrunkenen Bai”, dem einzigen der fünf Gärten, der uns noch fehlt. Wobei wir gerade festgestellt haben, dass wir uns den Yu Garten doch noch einmal gemeinsam anschauen sollten, denn wir waren beide jeweils nur ein einziges Mal dort, in 2013 und 2014.