Goldener Käfig

Martin hat neulich mal gesagt, wir seien hier wie in einem Luxus-Gefängnis, mir fällt dazu noch Goldener Käfig ein: Die Situation hier in Shanghai ist seit drei Monaten etwa ziemlich entspannt; wenn es hier neue Corona-Fälle gibt, sind das ein paar pro Woche und das ausschließlich aus dem Ausland einreisende Chinesen, die sofort abgefangen werden.
Restaurants, Parks usw. haben sowieso schon alle längst auf – man kann es sich also gut gehen lassen. Allerdings nur hier drin.

Auf der offenen Terrasse des Bulgari Hotels im 48. Stock hat man einen der besten Panoramablicke der Stadt.

Das tun wir auch.
Wobei man sagen muss, dass das ab etwa dem Avatar-Wochenende echt schwierig geworden ist, da uns seitdem die Regenzeit fest im Griff hat, die diese Jahr schlimmer zu sein scheint als sonst.
Ich denke, wir nähern uns schön langsam dem Ende, aber erst letztes Wochenende war noch richtig grausam, gefühlte 42 Grad und dann einsetzender Nieselregen.

Den Mai und Juni über sind wir also etliche Male unterwegs gewesen, beim Essen, aber einfach auch zum Spazierengehen und Fotografieren, die neue Drohne musste ja auch ausprobiert werden. Zu einem Ausflug mit Thomas an die Nanpu Bridge hat es immerhin noch gereicht – und geflogen werden durfte dort auf der Pudong-Seite dann auch.
Dronenbilder muss ich demnächst separat mal nachliefern!
Thomas ist Ende Mai schon nach Hause, John Ende Juni. Beide haben wir im Da Marco “bis auf weiteres” verabschiedet.

Für Thomas und Familie nimmt der Wettlauf gegen die Zeit und der Kampf mit der Bürokratie nun anscheinend ein glückliches Ende, nachdem sie zunächst auf keinen der drei Charterflüge der Deutschen Kammer im Juli gekommen sind.
Es scheiterte an der fehlenden Behörden-Einladung (notwendig für die Visa) bzw. irgendwie wohl auch an der Kommunikation zwischen den involvierten Stellen.
Am 4. August sind sie nun aber mit dabei!
Flug wie bei den Juli-Flügen auch nach Qingdao, dort 14 Tage Quarantäne in einem anscheinend guten Hotel und danach Rückkehr nach Shanghai.

Karfreitag, ein Abend, den wir nie vergessen werden – die Legende, der Marco vom “Da Marco” hat sich aus seinem Obergeschoss, wo er üblicherweise unbehelligt vor sich hin raucht, trinkt und isst, zu den Normalsterblichen an die Bar begeben.
Dort saßen wir mit Thomas, es war unser allererstes Mal an der Bar, und wir sind letztendlich ganz ganz fürchterlich abgestürzt. Mit dem Effekt, dass die immer an der Bar herumlungernden italienischen Stammgäste uns nun alle kennen und freundlich begrüßen. Und wir fast jedes Mal zum Abschluss eines guten Essens noch dort landen! Aber wir reißen uns nun zusammen…

Ich gehe wieder regelmäßig in die Arbeit, da ich inzwischen erfolgreich meine “Büro-Nische” zurückgefordert habe. Meistens sogar zweimal in der Woche, zusätzlich zum Home Office, erste kleine Veranstaltungen gibt es auch langsam wieder. Es ist viel zu planen, Anzeigen müssen neu gemacht werden, ich schreibe unglaublich viele Texte, kein Wunder, dass ich abends nicht mehr groß motiviert bin zu meinen privaten Posts…

Anfang Juni waren wir auf einer Streetfood-Night-Tour, allerdings fanden wir die bei weitem nicht so beeindruckend wie die Frühstücks-Tour, die wir mit Schöns gemacht hatten.
Den Hasenkopf à la Sichuan wollte nur einer aus der Gruppe probieren, eine unfassbare Sauerei, man muss dazu Plastik-Handschuhe anziehen, um den zu zerlegen. Mit dem Unterkiefer könnte man dann am Ende noch das leckere Hirn herausschaben – soweit kam es dann aber nicht!
Die frittierten Heuschrecken der Yunnan-Küche fanden wir dagegen alle gut, scharf und knusprig waren die.

Diese Aufnahme ist vom Wochenende darauf, als SEA die Sommerparty im Shake gefeiert hat. Der Herr ist ein “alter Bekannter”, der immer mitten in der Nacht vor dem Shake auf Kundschaft wartet, und diesmal hat es sich für ihn mit Martins Überweisung richtig gelohnt… Shanghais Bettler arbeiten ja schon seit mindestens zwei Jahren bargeldlos.

Wir waren im Juli aus Versehen noch bei einem Brunch (Martin hasst Brunch. Er dachte, das sei eine Abendveranstaltung, als er uns angemeldet hat!) – wo ich meinen Perlenring am Waschbecken vergessen und ihn wundersamerweise nach einer Woche wieder zurückbekommen habe…

Alkohol am Mittag ist einfach nix!
Bei zwei Afternoon Teas waren wir auch, einer eine Frechheit, der andere sehr schön, und wir waren viel, viel zu Fuß unterwegs bei schwülheißen Temperaturen, wo ein Päuschen mit einem Bier einfach das Allerschönste war.

Dass sich das Schwitzen manchmal wirklich lohnt, haben wir am letzten Wochenende festgestellt, aber dazu gibt es demnächst einen eigenen Post. Hier noch eine Impression vom Abend nach der obigen Bierpause: