Fujian I: Qunpu

Ich hab mal Häkchen hingemacht. Wenn man jetzt dazuzählen würde, wo Lukas, Jonas und Martin schon waren, kämen noch ein paar dazu.

In meiner SLAAC Gruppe (Shanghai Lovers of Asian Art And Culture) gab es eine Frau, der nur noch zwei von 25 Chinesischen Provinzen fehlten, und die hatte sie noch auf ihrer Agenda, bevor sie aus China wegging. Das werde ich wohl nie schaffen.

Im November hatte ich nun aber endlich die Gelegenheit, mit ein paar Leuten aus dieser Gruppe in die Fujian Provinz zu fahren, die bekannt ist für ihre alten Rundbauten, als Ort der Pomelo-Massenproduktion, für Marionettentheater und für eine ganz spezielle Art von Häusern, die sogenannten “oyster shell houses”, also Häuser die irgendetwas mit Austernschalen zu tun haben…

Die Schalen aus den verfallenden Gebäuden werden wiederverwendet für Reparaturen oder Neubauten.

Großes Fragezeichen bei euch, genauso wie bei mir vorher, aber hier beantwortet sich zumindest Letzteres gleich.
Die Außenwände dieser Häuser sind wie man hier sehen kann, wirklich durchgehend aus lauter Austernschalen  zusammengemörtelt. Wenn sie historisch sind.

Bei Neubauten oder Renovierungen macht man meistens nur eine Schicht Muscheln außen an die Wand, auf einen gemauerten Kern.

Warum nun so viele Austernschalen? Einerseits ist Qunpu ein Küstenort – nicht der einzige, der solche Architektur aufweist, übrigens – und es gibt auch genügend Zucht-Austern dort, aber historisch gesehen hat es damit noch eine andere Bewandtnis.

Alle diese Hafenstädte in der Fujian Provinz hatten in der Vergangenheit etwas gemeinsam: die chinesischen Schiffe, die voll beladen in See stachen, brauchten einen Ballast für den Rückweg. Anscheinend konnte oder wollte man nicht in entsprechendem Umfang importieren, der Ballast sollte auch nichts kosten – also fing man an, leere Schalen, quasi Abfall mitzunehmen und diese Fracht dann konstruktiv zu verwenden. Die Hauswände aus den Schalen so heißt es, würden auch eine super Isolierung gegen Kälte und Hitze bieten.

Heute floriert in diesen Küstenorten auch die Austernzucht; man findet die Muscheln als Bestandteil vieler Gerichte.

Diese Dame hier schien die “Chefin am Platz” zu sein, zumindest haben wir sie nicht arbeiten sehen. Den traditionellen Haarschmuck trägt man unter der Woche in Plastik und an besonderen Tagen dann als frische Blumen.

Das Aufschneiden der Muscheln ist mühsam und so wie es scheint, reine Frauenarbeit. Arbeit alter Frauen, möchte man denken, wenn man durch die Stadt geht und sich umsieht.