Chhatra Sagar, Farm und Village Walk II, Farbenlehre

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Das frühere Feudalwesen gibt es längst nicht mehr, aber wenn man solche ehrerbietige Begrüßungen sieht, muss man unwillkürlich daran denken, dass unser Begleiter Raj von den ehemaligen Herren des Landes hier abstammt. Die Vorfahren dieser Dorfbewohner wurden von ihnen nach dem Bau des Staudamms hierher geholt und konnten sich ansiedeln, und ich gehe schwer davon aus, dass das in Form einer wie auch immer gearteten Leibeigenschaft war.

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Nach Bodenreformen im Zuge der Unabhängigkeit Indiens musste die adelige Familie Grund abgeben, die Bauern haben Grund bekommen. Feudalherrschaft, Leibeigenschaft, Abgaben an den Grundherren – alles Vergangenheit.
Aber wir hatten dennoch das Gefühl, dass die alten Denkmuster durchaus noch in den Köpfen sind.

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Die Farben und Muster der Turbans haben eine Bedeutung.
Der Herr hier oben mit dem von Bienenstichen geschwollenen Auge ist ein Schäfer, allerdings “semi retired”, was man am Muster des Turbans sieht. Im Bild oben der links Sitzende genauso, der rechts ist ein Töpfer, auch “semi retired” wie für alle, die mit diesen Codes vertraut sind an Farbe und Muster des Tuches zu erkennen.

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Der Bauer bei der Maisernte im vorhergehenden Post hatte einen gelben Turban, der Schäfer trägt einen roten. Wenn man gar nicht mehr arbeitet, trägt man den weißen Turban.

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Der orange Turban kennzeichnet einen “artist” wurde uns gesagt und wird hier getragen vom Töpfer des Dorfes. Zu dem komme ich später noch. Jeder im Dorf benutzt seine Wasserkrüge, die hier sogar schon mal mit im Bild waren, nämlich bei der Maisernte im letzten Post.

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